Der Kampf geht weiter !?!
Wer hätte das gedacht, daß sich das Künstlervölkchen zu politisieren vermag, daß es drei harte Wintermonate lang um seine Existenz zu kämpfen bereit war und durch Mahnwachen, Demonstrationen, Appelle und Präsenz bei Ratssitzungen und in der Bevölkerung die politischen Entscheidungsträger zu zwingen in der Lage war, den fatalen Beschluß der Verweigerung eines Nachtragshaushalts zu revidieren!
Aber hätten wir Theaterleute mit unseren künstlerischen Mitteln dies aus eigener Kraft schaffen können? Wir hätten es nicht geschafft: soviel Mißtrauen in die Politik nach den jetzigen Erfahrungen darf sein. Indes hat sich Vertrauen in bewährter, ja in ungeahnt neuer Art erwiesen, unser Vertrauen auf das Publikum, die Freunde, die Bevölkerung, auf die Bürger unserer seit über einem halben Jahrhundert theatervereinten Städte Krefeld und Mönchengladbach. Es ist nicht nur eine basisdemokratische Genugtuung, sondern im altkämpferischen Sinne eine Bekundung der Solidarität, vor allem mit einem seltsam unzeitgemässen Phänomen, seltsam deshalb, weil sein Wert sich nicht an seinem Gewinn orientiert: mit unserer Theaterkultur.
Daher sagen wir allen den tief empfundenen, weil existenziellen Dank für ihre Unterstützung, jedem einzelnen Bürger, der uns durch sein Kommen die Treue hielt und durch postalischen Appell an die Politiker seinen Willen zur Kunst Ausdruck verlieh. Wir danken dem Verein der Theaterfreunde für die Stärkung unseres Rückrats und vor allem der daraus hervorgegangenen Bürgerinitiative, für deren organisatorische Kleinarbeit, für das Sammeln zahlreicher Unterschriften und die Betreuung der großen Bürgerdemo unter dem Aktionsmotto „Theater: Ja“.
Leider bleibt der Fortbestand des Theaters in unserem System weiterhin quoten- und profitorientiert, d.h. die erwiesene Tatsache, daß der Bürger sein Theater will, braucht und dafür sich einsetzt, ermächtigt zwar uns, dem Auftrag, für Bildung, Tradition und Unterhaltung zu sorgen, gerecht zu werden und das Profil einer Stadt und einer Region entscheidend mitzuprägen, scheint aber die Politik nicht davon abzuhalten, Gelder dort zu reduzieren oder zu verweigern, wo ihr nicht genug Gelder fliessen. So passiert es dann beispielsweise, daß ab nächster Spielzeit am Werbe Etat eingespart werden muß, obwohl das eigens angeforderte Gutachten der Firma Actori dringend empfiehlt, gerade diesen Etat aufzustocken. Diese Empfehlung ist auch sinnvoll, denn in unserem baldigen Ausweichquartier, das uns die städtische Erschließungs- und Vetternwirtschaft aufgezwungen hat, werden wir, künstlerisch gesehen, mit dem „Vetter aus Dingsda“ zwar reagieren, aber infrastrukturell kommt es einer Verbannung gleich, und wir sind mehr denn je auf die Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen, um dort im Nordpark eine kulturelle Fan-Kurve etablieren zu können.
Es ist gewiß zu früh, den „Tod auf Raten“ zu prophezeien, denn auch ein Theatersystem wie in Deutschland muß in Regressionszeiten auf Blutspende-Möglichkeit geprüft werden. Aber wir dürfen uns den erkämpften Pyrrhussieg, ein Sieg mit vielen Wunden und Einbussen, nicht schönreden. Der Kampf muß weitergehen, denn es geht nicht ums Geld allein. Es gilt ein Umdenken zu bewirken, oder wie ein Intendant eins sagte: wenn es nicht die Aufgabe der Kunst sein kann, die Welt zu verbessern, so ist es doch ihre Aufgabe, das Bewußtsein aufrechtzuerhalten, daß sie verbessert werden muß. Und Steuergelder zu zahlen, um solches Bewußtsein und Denken freizusetzen, macht Sinn, oder politischer gesprochen: zahlt sich aus.
Unseren Dank verbinden wir daher mit dem Wunsch, daß uns die Bürger beider Städte, denen wir verpflichtet sind, weiter die Treue halten und durch Zuspruch wie Kritik, durch Empfehlung und den Erweis unserer Existenzberechtigung regionale wie überregionale Zeichen setzen.
Die Sparten und Abteilungen der städtischen Bühnen
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